Netzwerk mit öffentlichem Auftrag

Die Ansprüche an die IT im öffentlichen Sektor nehmen rapide zu.  Es geht um E­Government, künstliche Intelligenz oder die neue Datenschutzverordnung. Prozesse auf diesem Gebiet treibt in Hessen die KOPIT eG voran, eine Genossenschaft für öffentliche Auftraggeber im IT­Bereich. Die Geschäfte führt  Johann Schweinitz – einer, der die Dinge gerne in die Hand nimmt.

Vor drei Jahren entschied sich  das hessische Finanzministerium dafür, die IT-Bereiche öffentlich-rechtlicher Einrichtungen in einem genossenschaftlich geführten Unter nehmen zusammenzubringen. Die Ziele: durch Kooperationen im Einkauf das IT-Budget zu schonen und Modernisierungsprozesse zu beschleunigen.Mit der Gründung der Genossenschaft wurde die Hessische Zentrale für Datenverarbeitung HZD beauftragt. Johann Schweinitz übernahm diese Aufgabe innerhalb der Organisation. „Dinge voranzubringen, ist mir wichtig“, sagt der gelernte Industriekaufmann, der seine Karriere als kaufmännischer Leiter einer Brauereimaschinenfabrik begann und danach ein eigenes Unternehmen gründete, bevor er zur HZD wechselte.

 

Dr. Schweinitz, Vorstand der KOPIT eGDie HZD steht in der KOPIT eG stellvertretend für das Land Hessen. Weitere Gründungsmitglieder sind die ekom 21 – Hessens größter kommunaler IT-Dienstleister – und die Goethe-Universität Frankfurt am Main. Um die verschiedenen Interessen unter einen Hut zu bringen, stellte Johann Schweinitz ein Gründungsteam mit jeweils einem Vertreter aus jeder Institution zusammen: „Und zwar nicht aus der Direktion, sondern aus der Fachebene“, sagt er. Vier Monate dauerte es. Dann standen die finale Fassung der Satzung und das Geschäftsmodell. Für die Genossenschaft als Rechtsform hat sich das Land Hessen bewusst entschieden: „Jedes Mitglied hat eine Stimme in der Generalversammlung – solidarisch, gleichberechtigt. Das hat sich in den drei Jahren bewährt.“

Innovation und Verwaltung  verbinden

Die Mitglieder sind durch ihre jeweiligen Rechenzentren vertreten. Schließlich geht es darum, Synergien beim Beschaffen von IT-Komponenten herzustellen und durch das gemeinschaftliche Bestellen Kosten zu sparen – sowohl personell, als auch beim Einkauf.

In Deutschland herrschen auf vielen Ebenen noch heterogene IT-Strukturen vor. Ob ein Amt auch auf elektronischem Weg mit seinen Bürgern und Bürgerinnen kommuniziert und handelt (E-Government), hängt beispielsweise von der IT-Landschaft der Kommune ab. Solche Dinge könnten durch die KOPIT eG Impulse erhalten. Angestrebt sind zentrale IT-Strukturen, die sicherstellen, dass öffentlich-rechtliche Einrichtungen an technischen Entwicklungen wie dem E-Government partizipieren. „Unter dem Aspekt der begrenzten Ressourcen und der Frage, woher man die IT-Experten bekommt, die eine zentrale Infrastruktur aufbauen, ist die unternehmerische Idee entstanden“, erzählt Johann Schweinitz. „Das Besondere ist, dass man Verwaltung und Wissenschaft zusammengebracht hat. Bei aller Verschiedenheit geht es doch um zum Teil sehr ähnliche Fragestellungen.“

Eine zentrale Rolle beim Beschaffen von IT-Material spielen komplexe Vergabeverfahren, die zeit- und kostenaufwendig sind und an die sich öffentlich-rechtliche Institutionen laut Kartellvergaberecht halten müssen. An diesem Punkt setzt die Genossenschaft KOPIT an: „Man nutzt das Vehikel, dass sowieso ein Mitglied eine Ausschreibung durchführt, und beteiligt die anderen“, erklärt Johann Schweinitz das Geschäftsmodell.

Gemeinsam eine zukunftsfähige IT-Struktur gestalten

Neben den drei Gründungsmitgliedern gehören die Landeshauptstadt Mainz und die TU Darmstadt zur KOPIT eG. Noch trägt sie sich nicht selbst, aber Johann Schweinitz ist zuversichtlich und verweist darauf, dass die Genossenschaft über die Landesgrenzen hinaus agiert. Alle öffentlich-rechtlichen Einrichtungen, die über eine größere IT-Infrastruktur verfügen, kommen als Kooperationspartner grundsätzlich infrage. Je mehr hinzukommen, desto größer sind auch die Effekte beim Wissenstransfer und bei den Treffen auf Leitungsebene – zwei weiteren wichtigen Säulen. „Ein Beispiel: der Einsatz von Microsoft Windows 10 unter Privacy- und Security-Aspekten. Das hat die HZD umfangreich unter Einbezug des hessischen Datenschutzbeauftragten getestet. Über die KOPIT wurde die Konfiguration dann den anderen  Mitgliedern vertraulich zur Verfügung gestellt.“

Der Austausch von Know-how, Erfahrung und Best Practice findet auch in Form von Impulsvorträgen und Workshops statt, die Johann Schweinitz regelmäßig organisiert. Bei den kommenden Terminen stehen zum Beispiel die neue Datenschutzverordnung, Künstliche Intelligenz und Blockchain (fälschungssichere Datenbank) auf der Tagesordnung. „Bei unseren Netzwerktreffen ist schon die ein oder andere Idee geboren worden“, verrät Johann Schweinitz, der mit seinem Büro in der HZD sozusagen an der Quelle sitzt und alle wichtigen Entwicklungen im IT-Bereich mitbekommt.

Text: Annette Stetzer, Foto: Jörg Baumann

Der Artikel ist erschienen im Magazin gemeinsam. DIE GENOSSENSCHAFTEN. DIE WIRTSCHAFT. DAS MAGAZIN.,
in der Ausgabe 03/2018, Seite 22/23. Herausgeber ist die Deutsche Friedrich-Wilhelm-Raiffeisengesellschaft e.V. 

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